Blog über Fotografie :: Technik :: Hausautomation

Eine Alternative zu Windows? – Ubuntu für den Otto Normalverbraucher

Ich stelle mir schon seit längerem die Frage warum Microsoft mit seinem Windows Betriebssystem so erfolgreich ist. Wenn ich mich in meinem Verwanden und Bekannten Kreis umschaue muss ich feststellen das es eigentlich nur sehr wenige (um genauer zu sein nur einen) Menschen gibt die etwas anderes auf ihrem PC installiert haben als Windows.

Ok an dieser Stelle sollte ich vielleicht gestehen das ich auch Windows User bin allerdings beschäftige ich mich auch schon seit sehr langer Zeit immer mit anderen Betriebssystemen. Sei es MacOS X auf einem MacBook Pro oder aber Ubuntu als Parallelinstallation auf meinem Notebook.
In diesemArtikel möchte ich auf eine Alternative zu Windows eingehen und schauen ob es wirklich für den „normalen Benutzer“ möglich ist ganz ohne Microsoft aus zukommen und welche Vor- und Nachteile es dabei unter Umständen geben könnte.

Wie sieht ein „normaler Benutzer“ aus?

Um eine spätere Einschätzung treffen zu können ob man mit einer Alternative „leben“ und arbeiten kann, möchte ich als erstes einen Benutzer definieren der so ziemlich in jedem Haushalt um die Ecke leben könnte.
Nennen wir unseren „normalo Benutzer“ einfach mal Harald. Harald ist sagen wir 50 – 55 Jahre alt und kommt aus einer gewöhnlichen Arbeiterfamilie. Er ist also kein IT-Spezialist und hat sonst auch wenig technische Vorkenntnisse. Er benutzt einen durchschnittlichen PC oder Notebook. Seine Anforderungen sehen wie folgt aus:

  • Surfen im Internet (Konsum von Videos, News, Informationen, etc.)
  • Schreiben und empfangen von E-Mails
  • Hören von Musik am PC sowie Tragbar (MP3-Player)
  • Videotelefonie (Skype) mit seinen Enkeln in Übersee
  • Erstellen von Tabellen und Briefen zum privaten Gebrauch
  • Etc…

Welche Alternativen zu Windows gibt es?

Schaut man über den Tellerrand hinaus, wird man schnell feststellen dass es jede Menge Alternativen gibt. Zugegeben, eignen sich nicht alle für Menschen ohne erhöhtes technischen Know-how.
Einige haben sicherlich schon mal den Begriff Linux gehört. Linux ist allerdings mehr ein Oberbegriff  und es gibt da draußen eine ganze Scharr an unterschiedlichen Linux-Distributionen. Suse, Ubuntu, FreeBSD, Debian, usw… Für fast jeden Einsatzzweck gibt es die richtige Lösung. Warum sollte es also nicht auch eine für Harald geben.

Da ich selbst seit längerem mit Ubuntu arbeite und sehr zufrieden mit der Bedienbarkeit als auch mit den Funktionen bin, favorisiere ich diese Distribution für jeden der gerne von Windows zu einer Alternative umsteigen möchte. Zugegeben, mir fehlt natürlich auch die Erfahrung mit den anderen Distributionen. Es ist eben doch ein klein wenig subjektiv 😉

Kurzüberblick Ubuntu 12.04 alias Precise Pangolin

Ubuntu gibt es momentan (Stand 04.05.2012) als Version 12.04 LTE (Precise Pangolin). Ich verfolge die Ubuntu Entwicklung schon seit Version 6.10 und kann versichern das es sich in den letzten Jahren zu einem sehr guten und intuitiven System entwickelt hat. Außerdem und das ist auch mit ein entscheidender Vorteil gegenüber Windows, ist das Betriebssystem völlig kostenlos. Ebenso werden durch eine sehr aktive Community etliche Programme zur Verfügung gestellt, die mit wenigen Klicks installiert sind.
Wer mehr über die Entstehung und die Grundsätze von Ubuntu erfahren möchte dem kann ich diese Seite hier ans Herz legen.
Wer sich an die Bedienung eines Windows PC´s gewöhnt hat, wird bei Ubuntu nicht enttäuscht. Es lässt sich alles (fast) genau so bedienen wie man es von Windows gewohnt ist. Es gibt viele bunte Icons die angeklickt werden wollen, Fenster öffnen und schließen sich und ein Papierkorb ist auch vorhanden. 🙂
Natürlich ist ein Umstieg nicht gerade leicht und man wird sich ein kleines bisschen umgewöhnen müssen. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit arbeitet man allerdings mit dem System genau so souverän wie vorher auch.

So sieht der Ubuntu Desktop aus

Ubuntu 12.04 LTE Desktop.jpeg

Wie man sehen kann ist es ein ganz gewöhnlicher Desktop der zwar von der Aufmachung her anders aussieht, an den man sich aber doch relativ schnell gewöhnen kann. Die Macher von Ubuntu haben hier auch eine ganze Menge Funktionen hinterlegt mit denen der Benutzer sein Ubuntu auch nach seinen Vorstellungen einrichten kann.  Ebenso werden viele Hintergrundbilder und Bildschirmschoner gleich mitgeliefert oder sie sind mit wenigen Klicks aus dem Internet nachinstalliert. Eine Seite auf der jeder fündig werden sollte ist Gnome-look.org.

Wie werden unsere Anforderungen erfüllt?

Da wir unseren Otto Normalverbraucher Helmut am Anfang spezifiziert und seine Anforderungen an ein Betriebssystem festgehalten haben, wollen wir uns jetzt anschauen in wie weit Ubuntu unsere Erwartungen erfüllen oder evtl. sogar übertreffen kann.

Surfen im Internet

Ubuntu 12.04 LTE Firefox Browser.jpeg

Ubuntu bringt natürlich von Haus aus einen Browser mit. Als Standardbrowser ist Firefox vorinstalliert. Helmut kann also direkt nach der Installation los surfen. Es lassen sich neben Firefox natürlich auch eine Menge anderer Browser installieren. Neben Google Chrome gibt es auch einige die in Windows-Kreisen eher unbekannt sind, aber ebenfalls einen guten Dienst verrichten.

Schreiben und Empfangen von E-Mails

Hier haben die Entwickler von Ubuntu gleich zwei E-Mail Programme vorinstalliert. Evolution und Thunderbird sind bereits vorinstalliert und fügen sich nahtlos ins System ein. Zu finden sind die E-Mail Client´s übrigens direkt in der oberen Leiste (Panel) nach einem Klick auf den Briefumschlag.  Das ist übrigens das Kommunikationscenter. Neben E-Mail findet man dort auch einen Instant Messaging Client der sich an viele gängige Dienste  anbinden kann.

Ubuntu 12.04 LTE Mail und IM.jpeg

Hören von Musik PC und MP3-Player

Auch die Musikliebhaber kommen bei Ubuntu auf ihre Kosten. Hier sind gleich zwei Musikplayer installiert. Banshee und Rhythmbox. Beide haben eine Musikverwaltung integriert mit der die eigene Musiksammlung verwalltet und dargestellt werden kann.

Ubuntu 12.04 LTE Musik.jpegUbuntu 12.04 LTE Musik2.jpeg

Videotelefonie (Skype)

Ubuntu 12.04 LTE Skype.jpeg

Ja auch Skype´n ist mit Ubuntu kein Problem. Allerdings kommt das Programm nicht standardmäßig mit. Es ist allerdings mit ein paar Klicks aus dem Software-Center ohne Probleme installierbar.

Textverarbeitung und Tabellenkalkulation unter Ubuntu

Natürlich gehört auch ein Text- und Tabellenkalkulationsprogramm zur Grundausstattung von Ubuntu 12.04. Mit LibreOffice ist das freie Officepaket vorinstalliert und beinhaltet Textverarbeitung, Tabellenkalkulation sowie Bildschirmpräsentationen. Neben dem erstellen von Text- und Tabellendokumenten kann Libreoffice auch Dateien von Microsoft öffnen und bearbeiten. Auch das exportieren als PDF-Datei ist natürlich möglich.

Weitere Software

Ubuntu beinhaltet ein so genantes Ubuntu Software Center. Egal welche Software man benötigt, dort wird man fast immer fündig. Allerdings sollte der Fairness halber dazu gesagt werden dass manche Programme die man von Windows kennt, unter dem freien Betriebssystem garnicht verfügbar sind. Auch wenn es dann eine alternative Software gibt, ist nicht immer gesagt das diese auch so funktioniert wie man es sich vorstellt.

Deshalb sollte man VOR einem Wechsel zu Ubuntu sich erkundigen ob nicht doch an der einen oder anderen Stelle ein spezielles Programm gebraucht wird und klären ob dieses auch wirklich verfügbar ist und funktioniert. Ich gehe allerdings nicht davon aus das in einem Privathaushalt allzu viele spezielle Programme benutzt werden.

Damit hätten wir Haralds Anforderungen an ein Betriebssystem auch schon erfüllt. Somit steht einer Installation für ihn nichts mehr im Wege.

Fazit

Ubuntu kann durchaus eine echte Alternative zu Windows sein. Es bietet, zumindest für Otto Normalverbraucher alle Programme welche für die tägliche Arbeit am PC benötigt werden. Darüber hinaus lässt sich auch andere Software aus dem eigenen Ubuntu Software Center kostenlos und mit wenigen Klicks herunterladen und installieren. Wer allerdings auf Spezialsoftware angewiesen ist, der sollte gründlich überprüfen ob diese vorhanden ist bzw. auch wirklich funktioniert.

Wer jetzt lust bekommen hat und sich an ein neuen Betriebssystem heranwagen möchte, dem möchte ich die Ubuntu Live-CD nahelegen. Mit dieser kann man Ubuntu ohne Probleme erst einmal ausprobieren ohne es gleich installieren zu müssen.
Bei der Live-CD wird Ubuntu direkt  von der CD ausgeführt und verändert keine Daten auf der Festplatte. Man hat somit die Möglichkeit mal in die Bedienung von Ubuntu rein zu schnuppern und kann so feststellen ob es einem liegt oder nicht.
Die Live-Version ist bei dem normalen Ubuntu Download enthalten und kann beim start der CD ausgewählt werden.

Ich würde mich über eine Rückmeldung von dem einen oder anderen freuen der diesen Schritt wagt. Außerdem gilt wie sonst auch: Kommentare und Diskussionen sind gerngesehen 😉

Danke für´s lesen!

3 Kommentare

    • Tina am 31. Juli 2012 um 16:33

    Seit Jahren benutze ich schon Windows, sowohl zu hause als auch in der Arbeit. Um eine Alternative habe ich mich nie gekümmert. Dann wechselte ich vor einem Jahr meine Arbeitsstelle und dort findet Ubuntu Verwendung. Der erste Tag war schon komisch für mich, aber nach einer kurzen (wirklich sehr kurzen) Einarbeitung merkte ich kaum noch, dass ich an einem anderen Betriebssystem saß. Ich würde jetzt nicht sagen, dass das eine besser oder schlechter ist als das andere BS. In meinem Arbeitsbereich (vornehmlich Office-Software, LibeOffice bei uns) macht es keinen Unterschied. Und der Datenaustausch klappt auch prima. Zuhause habe ich dann aber doch mein Windows behalten.

  1. Ich finde Ubuntu wesentlich schneller. Es ist ein tolles System. Aber wenn man Programme wie die von Adobe braucht oder einfach nur einen speziellen Drucker / Scanner hat ist Ubuntu noch nichts. Aber das wird sich in Zukunft ändern, wenn immer mehr Daten direkt aus dem Internet kommen und der Browser eigentlich die letzte Schnittstelle ist. 20 Jahre wird’s aber noch dauern.

    • Dennis am 17. Januar 2014 um 20:06

    Wieso heißt Harald plötzlich Helmut?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.